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2027 kommt – sind eure Maschinen darauf vorbereitet?
7 Minuten
February 2, 2026
2027 rückt näher: Cybersecurity wird Teil der Maschinensicherheit. Was das für eure Maschinen heißt, lest ihr hier.

Bis 2027 wirkt auf den ersten Blick noch weit entfernt. In der Industrie ist ein solcher Zeitraum jedoch selten komfortabel. Regulatorische Anforderungen beginnen lange vor ihrem Stichtag zu wirken – sie beeinflussen schon heute Investitionsentscheidungen, Prioritäten und Produktstrategien.

Mit der EU-Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 wird Cybersecurity ab 2027 verbindlicher Bestandteil der Maschinensicherheit. Besonders relevant sind dabei Maschinen mit digitalen Schnittstellen – vor allem webbasierte Zugänge, die in vielen Unternehmen über Jahre hinweg eher als technisches Nebenprodukt denn als sicherheitsrelevanter Faktor betrachtet wurden. Die zentrale Frage ist daher nicht, ob sich etwas verändert. Sondern, wie vorbereitet bestehende Systeme darauf sind.



Wenn Cybersecurity Teil der Maschinensicherheit wird

Die neue Verordnung macht deutlich: Digitale Risiken gelten künftig als sicherheitsrelevant. Sie können Menschen, Prozesse und Anlagen unmittelbar gefährden.

Digitale Zugriffe können Fehlfunktionen auslösen, Softwarefehler sicherheitskritische Situationen verursachen, ungeschützte Schnittstellen als Einfallstor dienen. Besonders in den Fokus geraten damit web- und HTTP-basierte Maschinenoberflächen – ein Bereich, der lange primär aus IT-Perspektive bewertet wurde und nun sicherheitstechnische Bedeutung erhält.

Warum Web-Schnittstellen jetzt kritisch werden

In der Praxis sind viele webbasierte Zugänge weder durchgängig verschlüsselt noch sauber authentifiziert. Dokumentation fehlt häufig, Updates lassen sich nur schwer einspielen, und zahlreiche Oberflächen wurden nie für eine Wartung über den gesamten Lebenszyklus einer Maschine konzipiert.

Was lange als pragmatische Lösung funktionierte, wird unter den neuen Anforderungen zur strukturellen Schwachstelle. Der Grund liegt selten in einzelnen Fehlentscheidungen – sondern meist in historisch gewachsenen Systemen, die für heutige Sicherheitsanforderungen schlicht nicht ausgelegt waren.

2027 ist kein IT-Stichtag, sondern ein Organisationsthema

Die Maschinenverordnung betrifft nicht nur Entwicklerteams oder IT-Abteilungen. Sie greift in mehrere Bereiche gleichzeitig ein.

In der IT geht es um sichere Kommunikation, Updatefähigkeit und Schutz vor typischen Web-Angriffen. In der OT stehen Stabilität laufender Anlagen und die Verlässlichkeit von Softwareänderungen im Fokus. Produktmanagement und Engineering müssen Architekturentscheidungen treffen, Wartbarkeit sicherstellen und Verantwortlichkeiten klären. Auf Managementebene rücken Haftungsfragen, Marktzugang und Investitionssicherheit stärker in den Vordergrund. Cybersecurity wird damit zur strategischen Frage – nicht zur rein technischen.

Ein realistischer Blick auf den Status quo

Viele Unternehmen stehen aktuell vor sehr konkreten Fragen:

  • Läuft der Webzugang noch über HTTP?
  • Gibt es klar definierte Rollen und Zugriffsbeschränkungen?
  • Werden Änderungen nachvollziehbar protokolliert?
  • Lassen sich Sicherheitsupdates strukturiert ausrollen?
  • Ist das Frontend langfristig wartbar?

Diese Fragen sind unbequem – aber notwendig, um Risiken realistisch einschätzen zu können.

Regulatorischer Druck als Treiber

In vielen Projekten zeigt sich bereits ein klares Muster:
Neue Initiativen entstehen weniger aus dem Wunsch nach zusätzlichen Features, sondern aus regulatorischen Anforderungen. Cybersecurity wird zum Anlass, bestehende Systeme grundlegend zu überprüfen. Architekturen werden neu bewertet, Frontends überarbeitet, Schnittstellen klarer definiert. Nicht, weil akute Probleme bestehen – sondern weil absehbar ist, dass Nichtstun langfristig teurer wird als kontrollierte Weiterentwicklung.

Die Maschinenverordnung wirkt damit als Katalysator für Entscheidungen, die in vielen Unternehmen ohnehin überfällig sind.

2027 als strategischer Zeitpunkt

Die Verordnung setzt einen klaren Rahmen. Unternehmen sind gezwungen, frühzeitig Position zu beziehen. Wer sich jetzt mit den Anforderungen auseinandersetzt, gewinnt Planungssicherheit, reduziert spätere Anpassungskosten und stärkt die Qualität der eigenen Produkte. Abwarten bleibt möglich – führt aber häufig dazu, dass Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen werden.

2027 markiert keinen abrupten Einschnitt.
Es ist der Moment, in dem sichtbar wird, wer vorbereitet war.


Fazit

Cybersecurity wird Teil der Maschinensicherheit. Webschnittstellen erhalten sicherheitskritische Bedeutung.
Historisch gewachsene Lösungen geraten unter Handlungsdruck. Nicht alles muss sofort neu entwickelt werden. Doch alles sollte ehrlich und strukturiert bewertet werden.

Die zentrale Frage stellt sich bereits heute:
Sind eure Maschinen bereit für das, was 2027 verbindlich wird?

Wenn ihr bei dieser Bewertung oder bei der Weiterentwicklung bestehender Systeme Unterstützung benötigt, lohnt es sich, frühzeitig das Gespräch zu suchen.

Autor:in:
Idil Karabulut
software und entwicklung
zukunft und wissenschaft
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Steve Liedtke
Steve ist ein erfahrener Softwareentwickler bei Normalis. Er verfügt über fundierte Kenntnisse in der Softwareentwicklung und bringt sein technisches Know-how gezielt in Projekte ein.
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